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80-Jährige als Wasserpolizei ohne Blaulicht

Seebesitzerin
Anita Otto
Telefon:03 33 97/2 20 43

Wilderer-Alarm auf dem idyllischen See!

Stand: Mai 2017

Alarm auf dem Stolzenhagener See! Sind hier dreiste Wilderer unterwegs?

Auslöser der Unruhe ist ein kaum sichtbarer dunkler Punkt, der optisch fast untergeht im Schilfgürtel. Doch Seebesitzerin Anita Otto scheint über einen Adlerblick zu verfügen, trotz ihrer 80 Jahre. Sie stürmt wie der Blitz in ihr Gartenhaus, um sich das Fernglas zu schnappen.

Klarblick mit 80 Jahren
Und sieht sich sofort bestätigt: „Das kann doch nicht wahr sein! Wir müssen der Sache auf den Grund gehen“, ist sie empört. Sie hat tatsächlich ein fremdes Wasserfahrzeug auf ihrem See ausgemacht. „Offenbar will der heimlich Netze legen. Das ist Wilderei, wie sie hier immer wieder vorkommt!“

„Wilderer“ im Visier
Blitzschnell schwingt sie sich ins Auto, stampft und springt über morastischen Boden, drängt sich durch mannshohes die Sicht versperrendes Schilf, kämpft sich ans Ufer vor: „Junger Mann, was machen Sie da? Kommen Sie sofort heraus!“, herrscht sie den mysteriösen Besucher an. Der versucht seine Angelausrüstung schnell zu verstecken und behauptet, „nur zu fotografieren“. Doch das glaubt Anita Otto nicht: „Die meinen immer, weil ich eine kleine unscheinbare Frau bin, können sie mit mir machen, was sie wollen. Da täuschen sie sich aber!“ Sie weiß, dass der Eindringling jetzt bestimmt die Flucht antreten will. Schnell ist ein Auto aus der Nachbarstadt ausgemacht, und tatsächlich, der Verdächtige versucht gerade, sich in die Büsche zu schlagen. Das lässt eine Anita Otto nicht mit sich machen. Ohne nur eine Spur von Scheu stellt sie sich ihm entgegen. Zum Glück kann das Problem geklärt werden: „Es gibt doch keinen Hinweis, dass man an dieser Stelle nicht angeln darf“, verteidigt sich der Ertappte. Tatsächlich ist das entsprechende Hinweisschild wieder mal geklaut worden.

Sieben Seen
Anita Otto kennt den Stolzenhagener See wie kaum eine andere. Sie stammt aus dem Dörfchen, war erst in der Landwirtschaft tätig und dann beim örtlichen Bäcker „in Stellung“. Dort hat sie Werner Otto entdeckt. Er ist der letzte Spross einer alteingesessenen Fischersfamilie. Urahn Aurius Friedrich Otto hatte 1832 den Stolzenhagener See vom Lehngut Lehnin erworben. „Die Familie hatte ursprünglich sieben Gewässer, die später durch Erbgutteilung weiter­gereicht wurden, so dass wir am Schluss nur den Stolzen­hagener See und den Rahmer See hatten“, liest sie aus der Familienhistorie.

Sorge für die Nachwelt
Nach schweren Schicksalsschlägen, die beiden Kinder kamen durch Unfälle ums Leben, ist sie nach dem Tod von Ehemann Werner Otto jetzt alleine für das reizvolle Gewässer verantwortlich. „Ich sehe mich verpflichtet, dieses Naturparadies in der jetzigen Form für die Nachwelt zu erhalten“, fasst sie zusammen. „Es gibt in dem Gewässer mit 44 Hektar Größe und einer maximalen Tiefe von 17 Metern alles an Fischen, was in unserer Region vorkommt. Wir haben Karpfen, Aale, Schleie, Zander und Plötze. Allerdings war der Ertrag nie so erheblich, dass man davon reich werden konnte“, resümiert sie.

Hartes Brot
Dabei hat sie engmaschige Einsicht in ein schweres Handwerk. Im Schuppen wohlgeordnet sind zahl­reiche Netze: „Wenn man diese mit den Fischen einholt, müssen sie anschließend alle wieder geflickt werden, bevor sie erneut verwendet werden können. Das ist anstrengende Handarbeit.“ Der Lohn ist Fisch vom eigenen glasklaren See. „Am Besten schmeckt mir Zander“, strahlt die ungewöhnliche Seebesitzerin. Sie hat ihr Gewässer vom eigenen Grundstück stets wachsam im Auge. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass Wilderer eindringen!

Stiftung für die Natur
Anita Otto will den See aber nicht aus Egoismus beschützen, sondern weil sie darin ein Naturparadies sieht, das in der Form, wie ihn die Eiszeit vor mehr als 10 000 Jahren geschaffen hat, für die nachfolgenden Generationen erhalten werden soll. Während sogar die Bundesrepublik Deutschland und das Land Brandenburg Gewässer verkaufen, um Erlöse ein­zustreichen, geht die Stolzenhagenerin den anderen Weg. Sie macht nun damit Schlagzeilen, dass sie eine „Werner und Anita Otto Stiftung“ in Gründung hat, die über Generationen hinaus den Stolzenhagener See als Naturparadies für die Allgemeinheit bewahren soll. Mit im Stiftungsvorstand ist Ortsvorsteher Jürgen Krajewski, der sich die Erhaltung des ländlich-naturnahen Charakters von Stolzenhagen zum Programm gemacht hat sowie Steffen Köhler vom Restaurant Fischerstube. „Mit Holger Otto steht ein weitläufiger Verwandter für meine Nachfolge bereit“, führt Anita Otto weiter aus. Sie sieht den See übrigens nicht nur wegen der leckeren Fische als Jungbrunnen an. „Mein Geheimrezept ist, dass ich darin jeden Tag bade, egal wie kalt das Wasser ist!“