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Umweltklub mit Lebensmittelrettung: Spitzen-Gastronom lädt zum kostenlosen Menü

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Umweltklub
Hans Reichardt
Telefon:03 33 97/6 86 06
Website:umweltklub.de

Greta und die Kröten

Stand: Mai 2020

Egal, ob Möwe oder Kröte, Hauptsache es ist ein Klub! So kam es, dass Wandlitz zu einem Umweltklub kam, der sinnigerweise aus der Igelallee geführt wird.

Hier laufen alle Fäden bei Hans Reichardt zusammen.
Der heute 80-Jährige bringt dabei seine Organisationserfahrung ein, die er als gastronomischer Leiter vom Berliner Künstlerklub „Die Möwe“ gesammelt hat. Dort gaben sich bekannte Dichter, Maler, Musiker, Schriftsteller, Schauspieler und andere „Kulturschaffende“ aus Ost und manchmal aus West die Klinke in die Hand. „Später war ich Initiator vom ‚Verein für Pankow e.V.‘, der nach dem Zusammenschluss mit Prenzlauer Berg und Weißensee immer noch der größte Verein dort ist“, macht er aufmerksam.

Lebensmittelrettung
Beim Umweltklub in Wandlitz, den er vor fünf Jahren ins Leben rief, geht es etwas weniger hektisch zu. „Wir sind eine lose Interessensgemeinschaft und wollen Impulse geben, um Entwicklungen in Gang zu setzen“, beschreibt er den Ansatz. Er versteht sich als „Netzwerker und Koordinator“.
So hat er gerade mit Jürgen Kohls am „Tag des Nachbarn“ den „Plausch am See“ ins Leben gerufen. Regelmäßig ist er mit seiner gleichaltrigen Ehefrau Elisabeth Reichardt für „Lebensmittelrettung“ im Einsatz. „Wir fahren immer samstags zu einem Biomarkt in Pankow und sammeln dort Waren ein, die aus dem Verkauf genommen werden. Diese bringen wir nach Wandlitz, wo sie von weiteren Aktivisten verteilt werden. Insbesondere Einkommensschwächere sollen davon profitieren“, erklärt Ex-Gastronom Reichardt.

Demo-Dating
Eine weitere „Liebe“ entfaltet der Bewohner der Igelallee fürs Wohl der Kröten: „Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund in Stolzenhagen und Lanke Krötenzäune aufgebaut. Die Hauptarbeit besteht dort darin, täglich die laichfreudigen Tiere einzusammeln und auf der anderen Straßenseite wieder abzusetzen.“
Dabei steht Gymnasiastin Manja Raasch oft mal rasch zur Seite. Sie vertritt im Klubrat „die Jugend“. Dabei hat sie viel zu tun, denn außer ihr gibt es bei den Aktiven um Hans Reichardt nur Erwachsene.
„Wir haben uns auf der ersten und einzigen ‚Fridays for Future‘-Demo in Wandlitz kennengelernt“, erklärt sie ihren persönlichen Weg zum Klub.

Greta von Wandlitz?
Als „Greta von Wandlitz“ sieht sich die 16-Jährige aber nicht: „Keine Ahnung, ob die Klimaerwärmung tatsächlich so eine große Gefahr ist und ob man sie zurückdrehen kann. Es gab in der Erdgeschichte ja immer mal wieder wärmere und kühlere Phasen. Eventuell sind wir jetzt einfach in einer Warmzeit“, wägt sie ab.
Deshalb engagiert sich die Gymnasiastin am liebsten, wo die Ergebnisse sichtbar sind. Neben den Kröten gilt ihr Augenmerk zusammen mit anderen Gymnasiasten der Bekämpfung von Neophyten: „Das sind Pflanzen aus anderen Ländern, die unsere heimische Flora verdrängen. Wir führen hier in Kooperation mit der ‚Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde‘ ein Pilotprojekt am Langen Grund in Wandlitz durch. Das bedeutet, wir graben die unerwünschten Pflanzen aus und wollen sehen, ob man sie so eindämmen kann.“

Beule für die Natur
Weiteres Anliegen sieht der Klub im Fahrradtourismus: „Hier geht es um mehr als Radwege. Wir brauchen ja ebenso Abstellmöglichkeiten sowie Betreiber, die sich um eventuelle Pannen kümmern.“
Zu den Erfolgen zählt, dass die „Bürgerinitiative Baumschutz“ gegründet wurde. Sie arbeitet wie andere Initiativen inzwischen unabhängig vom Umweltklub. Konsequent hat Hans Reichardt beim Neubau seines Eigenheims im früheren Gartengrundstück entgegen dem Rat der Fachleute seine hohen Kiefern vor der Motorsäge bewahrt. Das Ergebnis ist eine etwas schwierige Zufahrt zur Garage, was dem Kleinwagen der Familie zu einigen Schrammen verholfen hat!

Info und Menü
Zudem ist dem Umweltklub der „Weltladen“ um Lutz Hausmann sehr wichtig.
Perspektivisch geht es um ein Repaircafé sowie um Umweltbildung.
„Weitere Anregungen sind immer willkommen, ebenso ehrenamt­liches Engagement. So unterstützen wir beispielsweise die jährlichen Pflanz­aktionen der Ehrenamtsagentur“, lädt Hans Reichardt ein. Zusammen mit Manja Raasch würde er sich freuen, wenn sich eher rasch als langsam weitere Jugend­liche einbringen würden.
Erster Ansatzpunkt könnte die nächste Informationsveranstaltung im „Wandlitzhaus“ in der Thälmannstraße 3 sein.
Selbst wenn das Thema nicht schmeckt, lohnt es sich, denn hier gibt es immer ein leckeres Menü, liebevoll zubereitet von drei Hobbyköchen, allerdings „aus Klimaschutzgründen fleischlos“. Dafür ist es kostenlos. Ob hier die Lebensmittelrettung mitspielt?